Streaming- Tipp der ASVÖ Redaktion: Pelé

Lange vor Ronaldo, Messi und Co. war er der unangefochtene Fußball-König: Edson Arantes do Nascimento, besser bekannt als Pelé.  Die Filmemacher David Tryhorn und Ben Nicholas erzählen in ihrer Netflix-Dokumentation über den kometenhaften Aufstieg der Fußballlegende.

 

Vom Schuhputzer zum FC Santos und in die Nationalmannschaft

1940 in einer brasilianischen Kleinstadt geboren, verdiente Pelé sein erstes Geld als Schuhputzer. Nach einem Probetraining wurde er sofort beim FC Santos verpflichtet und avancierte mit gerade einmal 16 Jahren zum Torschützenkönig. Zur selben Zeit feierte der Ausnahmespieler sein Debut in der brasilianischen Nationalmannschaft. Und katapultierte sich blitzschnell in den Sportlerolymp.

 

WM-Märchen in Schweden

1958 gelang dem damals erst 17-Jährigen der große Coup: Er führte sein Land in Schweden zum Weltmeistertitel. Nach dem Sieg entwickelte sich Pelé zum Exportschlager Brasiliens und wurde erster Fußball-Millionär. Möglich machten dies das aufkommende Fernsehen und lukrative Werbeverträge. 1962 wiederholte sich die Erfolgsgeschichte seines Heimatlandes: Brasilien verteidigte seinen WM-Titel.

 

Bröckelnde Heldenfassade

Doch in den späten 1960er-Jahren bekam die Karriere des Fußball-Giganten einen Knick: Einerseits nahm die Brutalität auf dem Rasen zu. Pelé wurde von den gegnerischen Spielern gejagt. Denn diese hatten es sich offenbar zum Ziel gesetzt, den umjubelten Helden verletzt vom Spielfeld zu drängen. "Fußball ist hässlich geworden", urteilte der Weltklasse-Dribbler angesichts der zunehmenden Brutalität auf dem Platz.

Andererseits führte der Militärputsch 1964 Brasilien in eine Diktatur. Und Pelé nahm keine kritische Haltung gegenüber dem Regime ein. Im Gegenteil – er schüttelte den Machthabern die Hand und beteuert in der Dokumentation, er habe "sich nie für Politik interessiert". Die Filmemacher belassen es aber bei wenigen Fragen an den mittlerweile über 80-Jährigen zu diesem heiklen Thema.

 

Aber zurück am Rasen

Sein größtes Meisterwerk gelang dem Fußball-König im Jahr 1970, als er mit einem Dream-Team erneut den WM-Sieg für Brasilien holte. In den Spielen, die zum Titel führten, beeindruckte er nicht nur als Torschütze, sondern fädelte gekonnt Treffer ein. Im Finale gegen Italien lief Pelé zur Höchstleistung auf und erzielte das erste Tor beim 4:1-Sieg gegen Italien.

 

Schlusspfiff mit Bürde

Am Ende des Dokumentarfilms spricht die Fußballikone Klartext. Pelé erklärt, was es bedeutet, als Nationalheld unter Druck gesetzt zu werden und laufend Erfolge liefern zu müssen: "Das größte Geschenk bei einem Sieg ist nicht der Pokal; es ist die Erleichterung!"

 

Fazit der ASVÖ Redaktion

Im Laufe der 108 Minuten erlebt man dank großartiger Archivaufnahmen, wie Pelé es immer wieder schafft, ein Spiel an sich zu reißen. Abseits des Fußballs nimmt die Strahlkraft des Brasilianers jedoch ab: Sein fehlender Mut, sich gegen die Diktatur aufzulehnen, sind einigen Wegbegleitern noch immer ein Dorn im Auge. Allerdings sind diese Aspekte in der Dokumentation von Tryhorn und Nicholas nicht sehr kritisch ausgeleuchtet. Aber das muss es auch nicht. Denn das beeindruckend restaurierte Bildmaterial nimmt den Zuschauer mit auf eine sehenswerte Fußball-Zeitreise – inklusive spektakulärer Tore und Gesprächen mit Pelés ehemaligen Spieler-Kollegen.

Offizieller Trailer zur Netflix-Dokumentation Pelé.

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